Betrachtungen zur Umweltbilanz von Wochenblistern

Viele Apotheker, Kunden und Pflegeheime erkennen die Vorteile der patientenindividuellen Verblisterung wie Therapietreue, umfassendes Medikationsmanagement, Entlastung der Pflegekräfte, Kundenbindung etc. an, haben jedoch Umweltbedenken bezüglich der Neuverblisterung, da hier nochmals (zusätzlich zur Originalverpackung) Kunststoff - Materialien verwendet werden.

Das gilt sowohl für Karten-  als auch für Schlauchblister.

 

2019 wurden 760 Mio Arzneipackungen vom Großhandel an Apotheken geliefert. Das entspricht ungefähr einer Mauer von 2m Höhe und 20cm Breite, die sich über 125 km erstreckt. Zusätzlich handelt es sich um eine Doppelverpackung bestehend aus der Pappschachtel und dem Tablettenblister, welcher zumeist aus PVC (!) und Aluminiumverbund besteht. Dieser landet unweigerlich in der Müllverbrennung, auch wenn über den Grünen Punkt entsorgt wird.

 

Gleichzeitig landeten Medikamente im (geschätzten) Wert von 5 Mrd. € im Müll. Ein zusätzliches Problem ist die unsachgemäße Entsorgung von Medikamenten über das Abwassersystem.

 

Ein relativ einfach umzusetzender erster Schritt wäre die Verwendung von Bulkware für die patientenindividuelle Verblisterung. Damit würde:

 

1. der sehr arbeitsintensive Schritt der Entblisterung wegfallen und

2. der Verpackungsmüll in diesem Sektor würde signifikant reduziert werden.

 

Leider sind ist das Apothekenrecht bezüglich dieses Themas recht veraltet und keinesfalls den aktuellen Erfordernissen aus dem Umweltbereich angepaßt. Hier gibt es akuten Handlungsbedarf.

 

Die Hersteller von Wochenblistersystemen auf der anderen Seite führen an, daß sie teilweise recyceltes Plastik bzw. Biopolymere (Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen) verwenden. Außerdem wird die entleerte Blisterverpackungen beim Grünen Punkt angemeldet und dem Recycling zugeführt. Hier gilt jedoch ebenfalls, daß nur sortenreine Plastik recycelt wird und Verbundmaterialien (Papier, Kunststoff und Aluminium) nicht wirklich getrennt werden können.

 

Das Thema ist komplex. Die Entwicklung von Alternativen für die sichere Verpackung von Arzneimittel ist schwierig insbesondere wegen der speziellen Anforderungen. Hier einige Überlegungen und weiterführende Links zum Thema:

  1. Verpackungen vermeiden (in diesem Fall nicht möglich)
  2. Pendelverpackungen (Dosetten) sind eine Möglichkeit, wobei Sterilität, Dichtheit, automatisierte Befüllung evtl. problematisch sind
  3. Verpackungen müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen (Primärverpackungsverordnung für Apotheken)
  4. Biopolymere werden in Deutschland wie Plastik entsorgt (es fehlt an speziellen Sammelsystemen und Industrie-Kompostieranlagen)
  5. Papier-Recycling funktioniert gut, wobei das Aufkommen stetig steigt und auch hier Verbundmaterialien problematisch sind
  6. Kunststoff-Recycling (gelber Sack) landet zu 50% in der Müllverbrennung.

Die go.ecoblister GmbH stellt sich diesen Fragen und Herausforderungen.

Die Entwicklung des "Arzneikalenders" ist ein erstes Beispiel für die Entwicklung eines nachhaltigen Wochenblisters, welcher die hohen Anforderungen an die Verpackungsgüte erfüllt und dabei gleichzeitig hauskompostierbar ist. Weitere Projekte sind in Vorbereitung.